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S.H. Dalai Lama

 

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12.4.2008: S.H. Dalai Lama ruft vor 50.000 Menschen in Seattle/USA dazu auf, das 21.Jahrhundert zu einem Jahrhundert des Dialogs zu machen. Nach dem Blutvergießen im 20.Jahrhundert habe die Welt die Verantwortung zur Umkehr. Zitat: "Das Konzept der Gewaltfreiheit ist nicht nur einfach die Abwesenheit von Gewalt, Gewaltfreiheit bedeutet, die Probleme entschlossen und mit einer Vision anzugehen." S.H. Dalai Lama auf der Konferenz "Seeds of Compassion" in Seattle/USA

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Neujahrsbotschaft von S.H. den 14. Dalai Lama an das tibetische Volk.

Dharamsala

24.Februar 2009

 Anläßlich des Erd-Ochsen-Neujahrs des 17. Rabjung-Zyklus im Tibetischen Königsjahr 2136*) möchte ich allen Tibetern meine Grüße entbieten, sowohl denen in Tibet als auch denen, die außerhalb Tibets leben. Ich bete, dass Friede und Wohlstand herrschen und unsere gerechte Sache zu einer allmählichen Lösung gelangen möge.
Obwohl es keine alten oder neuen Phasen in der ständigen Umlaufbewegung der Planeten gibt, aus denen sich Tage, Nächte, Monate und Jahre ergeben, besteht in der ganzen Welt die Tradition, den Anfang eines Neuen Jahres nach Vollendung des vorhergehenden feierlich zu begehen. Ebenso haben auch wir im Schneeland Tibet die Tradition, das Neue Jahr im ersten Mondmonat mit ausgedehnten Festlichkeiten zu feiern, die sowohl spirituelle als auch weltliche Elemente enthalten. Im letzten Jahr wurden wir jedoch Zeuge, wie als Reaktion darauf, dass überall in Tibet die Menschen ihre Verbitterung über die Politik der chinesischen Behörden bekundeten, Hunderte von Tibetern ums Leben kamen und Tausende verhaftet und gefoltert wurden.
Da die Tibeter in Tibet unendliches Leid und unsägliche Schwierigkeiten zu ertragen hatten, ist das Neujahrsfest diesmal gewiss keine Zeit, in der wir wie üblich feiern und Frohsinn walten lassen sollten. Ich bewundere die entschlossene Haltung der Tibeter innerhalb und außerhalb Tibets, zur Begrüßung des neuen Jahres auf festliche Aktivitäten zu verzichten. Ein jeder sollte diese Periode vielmehr nutzen, um von untugendhaftem Tun Abstand zu nehmen und sich positiven Handlungen zu widmen, um die Tugenden zu pflegen und Verdienste anzusammeln, damit all diejenigen, die ihr Leben um der Sache Tibets willen opferten, vor allem jene, die ihr Leben in den tragischen Ereignissen im vergangenen Jahr verloren, durch sukzessive Wiedergeburten in höheren Bereichen bald die Buddhaschaft verwirklichen mögen. Das Verdienst edler Handlungen sollte auch denjenigen zugute kommen, die gegenwärtig Leid erfahren, damit sie so bald wie möglich das Glück der Freiheit genießen mögen. Durch eine solche Ansammlung kollektiver Verdienste sollten wir uns alle um eine baldige Lösung für die gerechte Sache Tibets bemühen.
Wie vorauszusehen war, haben die Behörden in Tibet die Kampagne des Harten Durchgreifens wieder gestartet. In den meisten Städten in ganz Tibet herrscht eine ungewöhnlich hohe Militärpräsenz, überall sind viele bewaffnete Sicherheitskräfte und Truppen unterwegs. Allerorts müssen jene, die auch nur das geringste Anzeichen ihrer Sehnsüchte in der Öffentlichkeit erkennen lassen, mit Festnahme und Folter rechnen. Besonders den Klöstern wurden drastische Restriktionen auferlegt, die patriotische Umerziehung ist wieder in vollem Schwunge und ausländische Touristen können Tibet nur in sehr beschränktem Maße besuchen.
In geradezu provokativer Weise ordnete die Regierung an, das Neujahrsfest nun erst recht zu feiern. Wenn wir alle diese Entwicklungen betrachten, wird deutlich, dass Absicht und Ziel der Behörden hinter diesen Maßnahmen sind, die Tibeter einem solchen Grad an Grausamkeit und Schikanen auszusetzen, dass sie es nicht mehr aushalten können und sich veranlasst sehen, erneut zu demonstrieren. Sollte dies geschehen, gibt es den Behörden jeden Vorwand, in noch nie erlebter und unvorstellbar gewalttätiger Weise zuzuschlagen. Daher möchte ich eindringlich an das tibetische Volks appellieren, es möge sich in Geduld üben und nicht auf diese Provokationen reagieren, damit nicht das wertvolle Leben so vieler Tibeter vergeudet wird, und sie nicht Folter und Leid erfahren müssen.
Es versteht sich von selbst, welch große Hochachtung ich für den Enthusiasmus, die Entschlossenheit und den Opfermut der Tibeter in Tibet empfinde. Es ist jedoch schwierig, durch das bloße Opfer seines Lebens wirklich etwas zu erreichen. In erster Linie haben wir uns unwiderruflich dem Pfad der Gewaltlosigkeit verpflichtet, und es ist wichtig, dass wir nicht von ihm abweichen.
Noch einmal bete ich, dass das tibetische Volk von Unterdrückung und Folter befreit werden und sich des Glücks der Freiheit erfreuen möge. Mögen alle Lebewesen allezeit glücklich sein!
 

Der Dalai Lama

25. Februar 2009
(was dem ersten Tag des ersten Monats des tibetischen Jahres des Erd-Ochsen entspricht)

*) Anm. des Übs: Das tibetische Königsjahr ist die Anzahl der Jahre seit der Thronbesteigung des ersten tibetischen Königs Nyatri Tsenpo im Jahre 127 v. Chr. Es müssen daher 127 Jahre zu unserer Zeitrechnung hinzugerechnet werden, also 2009 + 127 = 2136. Durch die Verknüpfung von zwölf Tiernamen mit fünf Elementnamen ergibt sich ein 60 Jahre dauernder Rabjung genannter Zyklus. Wir befinden uns im 17. Zyklus des laufenden Großzyklus (60 x 60), der im Jahr 1027 unserer Zeitrechnung begonnen hat.

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