KUNSANG.at wünscht Ihnen Tashi Deleg (=Glück und Segen)

    Tibetische Feiertage ( Tibet-Kalender, nicht zensiert )

In dieser Übersicht sind auch die tibetischen Feiertage enthalten, die inner­halb von Tibet seit der chinesichen Besetzung streng verboten sind. Weil die kommunistische Besatzungsmacht durch die Ausübung vieler alter Bräuche und Feiertage in Tibet ihre Allmacht gefährdet sieht, wird eine offene Ausübung - für unsere Verhältnisse - extrem hoch bestraft. Viele der hier aufgeführten tibetischen Feiertage können nur von den im Exil lebenden TibeterInnen gefahrlos begangen werden.
der Tibetische Kalender richtet sich nach dem Mond­kalender (im Gegensatz zum Sonnen­kalender, den wir verwenden). Deshalb verschieben sich die Tibetischen Feier­tage jedes Jahr um ein paar Tage oder Wochen. (Ausnahme: Geburts- und Jahrestage)

LOSAR - Das tibetische Neujahrsfest --> 16. 2. 2018

  • Losar ist das Tibetische Neujahrsfest und das wichtigste weltliche Fest im tibetischen Jahreskreis (lo = Jahr, sar = neu).
    Losar findet im Februar oder März statt, der genaue Termin richtet sich nach dem Mondkalender.

    Die Jahre werden benannt ...

    ... nach den fünf Elementen:
    • Gold
    • Holz
    • Wasser
    • Feuer
    • Erde
    ... und nach den 12 Tierkreiszeichen:
    • Ratte
    • Ochse
    • Tiger
    • Hase
    • Drache
    • Schlange
    • Pferd
    • Schaf
    • Affe
    • Huhn
    • Hund
    • Schwein

    Jedes Jahr wird nach einem Element-Tierkreiszeichen-Paar benannt.
    Heuer beginnt zu Losar (in der Neumondnacht vom 15.2. auf den 16.2.2018) das Tibetische Erde-Hund Jahr 2145.
    Es dauert also 60 Jahre, bis alle Paare durchlaufen sind. Dann beginnt der Paare-Zyklus von Neuem.

    Wir TibeterInnen tauschen zu Neujahr den traditionellen Gruss 'Losar la Tashi Delek' aus, mit dem wir einander 'Glück und Segen im Neuen Jahr' wünschen.

    Vergleich von Tibetischem und Chinesischem Kalender:
    Der Tibetische Kalender ist zwar dem Chinesischen Kalender ähnlich, zeitlich gibt es jedoch oft Unterschiede, da der Tibetische Kalender eine eigene kulturelle Entwicklung ist und andere Wurzeln hat.
    Folgende Fälle sind möglich:

    • Das Tibetische Neujahr beginnt einen Monat früher oder später als das Chinesische Neujahr
    • Das Tibetische Neujahr beginnt einen Tag vor oder nach dem Chinesischen Neujahr
    • Das Tibetische Neujahr fällt auf denselben Tagen wie das Chinesische Neujahr

    Heuer fällt das Tibetische Neujahr auf denselben Tag wie das Chinesische Neujahr, das übrigens heuer im Zeichen des Hundes steht. (2017 begann das chinesische Neujahr einen Monat früher).

    Historische Wurzeln von LOSAR:
    In der Vor-Buddhistischen Zeit, als in Tibet noch die schamanistische Bön-Religion verbreitet war, wurde um diese Zeit ein Winterfest gefeiert. Mit Rauch-Zeremonien wurden damals die lokalen Schutz-Gottheiten geehrt und die bösen Geister beschwichtigt.
    Aus diesem Fest entwickelte sich mit der Zeit das LOSAR, wie wir heute kennen.

    Der chronologische Ablauf des Tibetischen Neujahrsfestes
    Die Vorbereitungen:

    • Die Wochen vor LOSAR:

      Das traditionelle Fest der Tibeter ist immer mit viel Vorarbeit verbunden: Die tibetische Redewendung 'Losar lega' (= das Neujahrsfest macht viel Arbeit) kommt nicht von ungefähr:

      • es werden neue Gebetsfahnen bedruckt, genäht und aufgehängt
      • die Häuser und Wohnungen werden geputzt und frisch gestrichen
      • die klassischen tibetischen Glücksbringer sind die 'Acht Tibetischen Glück­symbole', die man früher vor Losar frisch auf die Zimmer­wände gemalt hat, heute üblich ist das Aufhängen von Wand­dekorationen aus Brokat­stoffen mit den "Acht tibetischen Glück­symbolen", die ich auch in meinem Tibetladen führe.
      • Auch die kulinarischen Leckereien nehmen viel Zeit in Anspruch:
        • Dazu gehören Bödscha (Tibetischer Buttertee),
        • Khabse (=Tibetisches Knabbergebäck aus lange geknetetem Wasser-Mehl Teig, ähnlich den weststeirischen "Strauben", aber ohne Germ)
        • Tschang (tibetisches Gerstenbier) ist dem österreichischen "Sturm" ähnlich(so nennt man in Österreich den frisch ver­gorenen trüben Wein, der im Herbst kurze Zeit nach dem Pressen getrunken wird)
        • Momos (kunstvoll geformte tibetische Teigtaschen, die ent­weder mit Faschiertem (=Hackfleisch) gefüllt werden und dann Sha-Momos heissen oder mit Kartoffel-Gemüse gefüllt werden und dann Shogo-Momos heissen. Sie haben unter­schiedliche Formen, damit man sie gut unter­scheiden kann. Die Momos werden dampf­gegart im 'Moktu' (=über einem mit Wasser gefüllten Topf sind drei bis vier Töpfe gestapelt, die im Boden Löcher haben, damit der Dampf durch­dringen kann. Diese Loch-Töpfe werden mit den Momos aus­gelegt). Die übrig gebliebenen Momos werden bei der nächsten Mahlzeit in etwas Öl/Fett angebraten.

    • Guthuk (tibetisch: 29.Tag, also 2 Tage vor Losar):
      • Die Mönche schmücken die Klöster und führen besondere Rituale durch.
      • In den Häusern wird eine Guthuk-Thukpa, eine Suppe - die gefüllte Teig­kugeln (tibetisch: Baktoe) enthält - gekocht. Diese Teigkugeln können einen von 9 ver­schiedenen Bestand­teilen, wie zB scharfen Paprika/Chili (tibetisch Sibee), Salz (tibetisch Tsa), Wolle oder Baum­woll-Stoff, Kohle, Holz, tibetischen Hart­käse (tibetisch Dschura) usw. ent­halten. Diese Suppe wird an die Haus­bewohner verabreicht. Abhängig davon welche Bestand­teile man in den Teig­kugeln findet, wird daraus die Zukunft und der Charakter abgeleitet:
        • wenn man eine Teigkugel mit scharfem Paprika findet, so bedeutet es zB dass man eine scharfe Zunge hat,
        • Holz hat je nach Größe verschiedene Bedeutungen (langes Holz = langes Leben, kurzes Holz = Bettler bzw. eine 'klamme Zeit' ist zu erwarten),
        • heller weicher Stoff oder langer Wollfaden soll auf einen aus­ge­glichenen Charakter hindeuten,
        • dunkler Stoff oder kurzer Wollfaden auf wechselhaften Charakter,
        • Kohle bedeutet ein schwarzes Herz,
        • Salz (tibetisch Tsa) bedeutet fauler Charakter,
        • Tibetischen Käse (tibetisch Dschura) "bekommt" jemand, den man nicht riechen kann
        Diese Tradition läuft ziemlich lustig ab und hat einen einen höheren Spaß­faktor als hier­zulande das Bleigießen.
    • Ein Tag vor Losar (der letzte Tag des Jahres): früher war es Brauch knapp vor dem Neuen Jahr ausgiebige Körper­pflege zu betreiben.
    • Das Tibetische Neujahrsfest dauert (offiziell) drei Tage:

    • Lama Losar - der erste Tag:

      Am ersten Tag (Lama Losar) feiern die Tibeter/innen üblicher­weise nur im engeren Familien­kreis mit Gebeten und/oder besinnlichem Zusammen­sein. Der Name Lama Losar kommt daher, dass dieser Tag in den Klöstern mit religiösen Zeremonien begangen wurden und in den tibetischen Klöstern - ausser­halb von Tibet - heute auch noch so begangen wird. Für diesen Zweck werden in den Vor­wochen in den Klöstern wunderschöne Deko­rationen und Statuen aus Butter her­gestellt, die man danach noch eine zeitlang bewundern konnte.

    • Gyalpo Losar - der zweite Tag:

      Der zweite Tag steht auch noch im Zeichen der Religion. Aller­dings stehen ab diesem Tag die Klöster und vor allem die Tempel wieder der All­gemein­heit offen, die vom Volk gerne besucht wurden. Die Gebets­fahnen an heiligen Plätzen werden wieder erneuert.
      Bis zur chinesischen Okkupation gab SH der Dalai Lama an diesem Tag einen tra­ditionellen Neujahrs­empfang für die Repräsentanten der Nachbar­staaten China, Indien, Nepal, Buthan und Mongolei.

    • Der dritte Tag:

      Am dritten Tag beginnen die allgemeinen Feiern: Die Bewohner der Umgebung be­suchen einander kurz gegen­seitig und bringen eine Kleinig­keit mit (Saft und/oder Kekse) und werden dann zu Butter­tee oder Tschang (tibetisches Gersten­bier) eingeladen. Die Kinder laufen von Haus zu Haus und bekommen überall Naschereien vom schön dekorierten Neu­jahrs­tisch, der meist vor dem Puja-Platz (= Gebetsraum oder -ecke) steht.
      Die Tibeter im Exil laden sich in den folgenden ein- bis zwei Wochen (vor allem am Abend) immer wieder gegen­seitig zu kleinen Parties ein, wo gemeinsam gekocht, gesungen und Sho (tibetisches Würfel­spiel) gespielt wird. In den Tibetischen Flüchtlings­camps im Himalaya­raum gibt es tibetische Opern unter freien Himmel, die mehrere Tage dauern können. Aber auch 'globale' Einflüsse wie die unvermeidliche "Disco" oder die meist einem wohl­tätigen Zweck dienende Tombola tun der Tradition keinen Abbruch, sondern halten sie lebendig.

    • Am vierten Tag:

      Die Mönche in den Klöstern beginnen am vierten Tag mit dem großen Gebetsfest "Monlam Chenpo", das bis zum ersten Vollmond-Tag des Jahres dauert (Details finden Sie im nächsten Abschnitt: Monlam Chenpo).

MONLAM CHENPO - Feier des Großen Gebetes --> 19. 2. 2018

  • Das Monlam Chenpo-Gebetsfest (manchmal auch Monlam Chenmo ge­schrieben) ist das größte religiöse Ereignis des Jahres in Tibet bzw. bei den Tibetern auf der ganzen Welt. Sie geht auf eine im Jahre 1409 von Tsongkhapa (aus der Gelug-Schule des tibetischen Buddhismus) begründete Tradition zurück.

    • Ursprünglich - zu Tsongkhapas Zeiten - begann Monlam Chenpo am 1. Neu­mond-Tag des Jahres (=Tibetisches Neujahr) und dauerte bis zum ersten Vollmond-Tag (=15. Tag) des Jahres.
    • In den großen Klöstern Tibets war in den letzten Jahrhunderten für das Monlam-Gebetsfest der Zeitraum vom 4. bis zum 15. Tag des ersten tibetischen Mond-Monats üblich (nach unserem Kalender heuer: 20.Feber bis 3.März 2018).
    • in den Klöstern und buddhistischen Zentren ausserhalb Tibets wird Monlam Chenpo oft in der Woche vor dem ersten Vollmond-Tag des Jahres begangen (ca. 9. bis 15.Tag des ersten Monats).

    In der tibetischen Hauptstadt Lhasa versammeln sich Mönche aus den Klöstern Drepung, Sera und Ganden mit zahlreichen Pilgern vor dem Buddha Shakya­muni-Bildnis im Jokhang Tempel. Höhepunkt ist die Zeremonie des "Sonnens des Buddha", bei der ein riesiges 20 x 30m grosses religiöses Roll­bild (Thangka) mit einer Buddha-Darstellung am Hang eines Hügels im Morgen­grauen entrollt wird. Dieses Fest wird auch in den Klöstern Labrang und Rongwo Chönchen im alttibetischen Landesteil Amdo begangen.

    Früher wurden zur Zeit des Grossen Gebetsfestes in den tibetischen Klöstern auch die Abschluß-Examen abgehalten:

    • für den Geshe-Titel (den höchsten Gelehrten-Grad für einen Mönch der tibetischen Gelug-Tradition, zu der z.B. SH. der Dalai Lama gehört) bzw.
    • für den Khenpo-Titel (den höchsten Gelehrten-Grad für einen Mönch der tibetischen Kargyu- (zu der z.B. die Karmapas gehören) und der tibetischen Nyingma-Tradition) .
    • eine Besonderheit gibt es in der tibetischen Sakya-Tradition: Mönche mit dem höchsten Gelehrten-Grad verwenden den Titel Geshe nur ausserhalb der Klöster, wenn sie auf Reisen sind und Teachings abhalten. Von den Mönchen innerhalb der Sakya-Klöster werden sie mit Khenpo angesprochen.

CHOENGA CHOEPA - das Butterlampen-Fest --> 3. 3. 2018

  • Nach dem tibetischen Mond-Kalender fällt dieses Fest auf dem 15. Tag (=Voll­mond) des ersten tibetischen Mond-Monats. Es ist der letzte Höhepunkt der Tibetischen Neujahrsfeiern. Zur Feier des Abschlusses des Grossen Gebetsfestes Monlam Chenpo gehen die Gläubigen

    • am Morgen mit Räucherstäbchen zu den Klöstern, um mit den Mönchen gemeinsam die Abschlussgebete zu zelebrieren.
    • gegen Abend stellen sie auf beiden Seiten der Strassen aus Butter geformte Blumen, Vogel sowie Buddha-Figuren auf und zünden unzählige Butterlampen an.
    • danach tanzen, singen und feiern alle nach Herzenslust bis nach Mitternacht.

TIBET UPRISING DAY - Gedenktag des tibetischen Aufstandes 1959 --> 10. 3. 2018

  • Jedes Jahr herrscht in den Wochen vor und nach dem 10. März wegen der extremen repressiven Maßnahmen in ganz Tibet eine unheimliche "Friedhofs­ruhe". Der Rest der Welt bekommt davon leider kaum etwas mit. Der Grund liegt in einer Reihe ausgeklügelter Massnahmen von seiten Chinas:

    • westliche TouristInnen dürfen die Wochen vorher und nachher nicht mehr nach Tibet reisen bzw. müssen Tibet in dieser Zeit verlassen.
    • das tibetische Hochland wird unter eine riesige "Nachrichten-Glocke" gestellt, die den Informationsfluss nach aussen mittels modernster Technik unterbindet (Telefon- und Internetsperre)
    • es gibt (nächtliche) Ausgangssperren für TibeterInnen; für "unpatriotísch" gehaltene BürgerInnen verschwinden und tauchen manchmal erst Jahre später psychisch und physisch beeinträchtigt wieder auf
    • alle größeren Klöster in Tibet werden von Sicherheitskräften belagert
    • verstärkte Präsenz von Polizei und Chinesischer Volksarmee überall, wo viele Tibeter leben

    Der 10. März wird von den TibeterInnen als Beginn der tibetischen Volks­erhebung (Tibet Uprising Day) angesehen. Diese wurde im Frühjahr 1959 von den chinesischen Besatzungstruppen blutig niedergeschlagen und kostete hundert­tausenden von TibeterInnen das Leben.

    Die chinesische Armee hat zig-Tausende TibeterInnen niedergemetzelt, die sich vor der Norbulingka (dem Sommer-Wohnsitz von SH dem Dalai Lama) ver­sammelt hatten. Allerdings war der Versuch, den Dalai Lama zu töten zum Glück nicht erfolgreich. Seiner Leibwache ist es in den Wirren dieser Tage gelungen, den damals noch sehr jungen Dalai Lama über einen Fluchtkorridor aus der tibetischen Hauptstadt Lhasa zu bringen. Nach einer darauffolgenden mehr­wöchigen abenteuerlichen Flucht durch Tibet gelang es dieser Gruppe mit SH dem Dalai Lama die indische Grenze zu erreichen.

    Seither lebt das spirituelle Oberhaupt der TibeterInnen im indischen Exil. Seine Bemühungen, eine Verbesserung der Situation in Tibet zu erreichen, waren bisher leider erfolglos. Aber sein Leitspruch lautet Never Give Up

    Tibet wird zwar heute touristisch vermarktet, aber das bedeutet leider keine Ver­besserung für die TibeterInnen. Es ist unglaublich, aber noch immer kann eine 'Kleinigkeit', wie der Besitz eines Bildes von SH dem 14.  Dalai Lama für TibeterInnen mehrjährige Haftstrafen und "Patriotische Umerziehungslager" nach sich ziehen.

    Im Gedenken an diesen 10.März kommen die über die ganze Erde verstreuten TibeterInnen mit gleichgesinnten Tibet-Sympathisanten/innen an vielen Orten (ausserhalb von Tibet) zusammen und führen Gedenk-Veranstaltungen durch.

    Für Interessierte gibt es hier weiteres Info- und Video-Material:

    • im PDF-Fotokatalog TIBET Zerstörung einer Hochkultur gibt es eine aus­führliche Beschreibung der Lebensverhältnisse in Tibet. (Diese Datei liegt auf der Website der Tibet Initiative Deutschland e.V./Regional­gruppe Hamburg)
    • Seit Jahren weht am 10.März die Tibetische Fahne an Rathäusern auf der ganzen Welt, um die Solidarität mit dem Tibetischen Volk zu bekunden.

      • Tibetische Nationalflagge
        • Infos über diese Aktion in Deutschland erhalten Sie hier
        • Infos über diese Aktion in Österreich erhalten Sie hier
        • Infos über diese Aktion in der Schweiz erhalten Sie hier
    • Dramatische Tibet-Kundgebung im März 2008 in Wien zeigt dieses Youtube-Video: Vienna China Embassy

Geburtstag von S.H. dem 11. Panchen Lama --> 24. 4. 2018

  • Die Entführung eines damals sechs-jährungen Jungen gehört zu den traurigen Höhepunkten der chinesischen Unterdrückungsspolitik in Tibet.
    Chronologie der Ereignisse:

      • am 25. April 1989 (am 19. Tag des dritten Mond-Monats im Erd-Schlangen­jahr nach dem tibetischen Kalender) im Distrikt Lhari, Präfektur Nagchu, in der sogenannten 'Autonomen Region Tibet (TAR)' wird Gedhun Choekyi Nyima als Sohn von Konchok Phuntsok und Fr. Dechen Chodon geboren.
      • 11.Panchen Lama
    • am 14. Mai 1995 gab S.H. der 14. Dalai Lama seine Anerkennung von Gedhun Choekyi Nyima als der 11. Reinkarnation des Panchen Lama bekannt.
    • Drei Tage nach dieser Ankündigung haben die chinesischen Behörden Gedhun Choekyi Nyima und seine Familie verschwinden lassen. An einem geheim gehaltenen Ort sollen sie - von Geheimdienstleuten streng bewacht - unter Hausarrest stehen.
    • am 24. Mai 1995 wurde nach einer eilig einberufenen dreitägigen Sitzung der „Politischen Konsultativkonferenz des chinesischen Volkes“ eine Erklärung abgegeben, in der die Proklamation von S.H. dem Dalai Lama als „illegal und ungültig“ bezeichnet wurde. und ein anderes Kind als Reinkarnation>
    • im November 1995 wurde ein anderes Kind, Gyaltsen Norbu, vom kommunistischen China zur Reinkarnation des X. Panchen Lama ernannt und im Dezember 1995 inthronisiert.

SAGA DAWA - Tag von Buddhas Erleuchtung und Paranirvana --> 29. 5. 2018

  • Saga dawa (tib. "vierter Monat") ist einer der vier höchsten religiösen Feiertage im tibetischen Kalender. Er fällt auf den 15.Tag des vierten tibetischen (Mond-)Monats (ein Voll­mond-Tag). Er ist mit der Biographie des (historischen) Buddha Shakyamuni verknüpft, weil an diesem Tag seine Erleuchtung (in Bodh Gaya­/Indien) und sein Eingang ins Para-Nirvana (in Kushinagar/Indien) und in der tibetischen Tradition auch seine Geburt (in Lumbini/Nepal) gefeiert werden:

    • in Lumbini (heute in Nepal) wird traditionellerweise die Geburt von Buddha gefeiert.
    • gleichzeitig ist es der Tag, an dem Buddha nach langer asketischen Wander­schaft durch Nordindien in Bodh Gaya (im Bundesstaat Bihar) durch die Praxis der Meditation Erleuchtung unter dem Bodhibaum (Ficus Religiosa) erlangte.
    • schließlich ist es auch der Jahrestag seines Eintritts ins Para-Nirvana (dem 'höchsten' Nirvana) - seiner Befreiung aus dem Daseinskreislauf der Wieder­geburten - in Kushinagar (einem kleinen Ort im Norden Indiens).

    Viele Jahre wurde am Fuße des heiligen Berges Kailash im Westen von Tibet dieser Tag von Pilgern auf besondere Weise begangen: Zu Saga Dawa wird der Tarboche, ein 10 m hoher Flaggenmast, für ein weiteres Jahr mit neuen Gebets­fahnen (Lungtas) geschmückt und gemeinsam wieder kerzen­gerade aufgerichtet. Pilger bringen weiße Kathags (Glück­schals) an, werfen sich davor nieder, werfen Tsampa (Gersten­mehl) für die Götter in die Luft. Mönche zelebrieren ihre Rituale mit Opferfeuern, segnen die Pilger und rezitieren Mantras (Gebets­formeln).

    Leider wurde dieser tibetische Brauch beim Mount Kailash (wie leider vieles andere auch) von den chinesischen Be­hörden in den letzten Jahren durch behördliche und logistische Schikanen sehr stark eingeschränkt, sodass es dem sogenannten 'einfachen' tibetischen Volk kaum mehr möglich ist daran teilzunehmen:

    • es wurde eine behördliche Verfügung erlassen, dass in der Gegend um den Kailash die LKW-Fahrer keine TibeterInnen mehr auf der Lade­fläche mitnehmen dürfen. Jetzt dürfen die meist armen Tibeter diese in Asien all­gemein übliche und billige Fahrgelegenheit nicht mehr nützen.
    • in der Umgebung von Mount Kailash und Manasarovar See hat die chinesische Besatzungsmacht grosse Landflächen an kommu­nistische chinesische Gross­investoren vergeben, die diese früher frei zugäng­lichen Gebiete eingezäunt haben.
    • Wer heute in die Gegend um den Kailash gelangen will, muss fünf inner­tibetische Kontroll-Punkte passieren.
    • alle größeren Klöster in Tibet werden von Sicherheits­kräften belagert
    • in tibetischen Klöstern (wie zB im Tibetischen Kloster Drepung) wird die Saga Dawa Praxis einfach verboten.
    • Saga Dawa in Tarboche beim Kailash

      Saga Dawa mit Tarboche beim Kailash.

    • Saga Dawa in Tarboche beim Kailash

      Saga Dawa mit Tarboche beim Kailash.

Geburtstag von SH dem 14. Dalai Lama --> 6. 7. 2018

  • Seine Heiligkeit (=offizielle Anrede) der 14. Dalai Lama, mit bürgerlichem Namen Tenzin Gyatso, ist das im indischen Exil lebende religiöse Oberhaupt Tibets. Die TibeterInnen nennen ihn Kundün ('Gegenwart Buddhas').

    • geboren am 6.Juli 1935 wurde er in Taktser in der ost-tibetischen Provinz Amdo
    • 1959 mußte er aus seiner Heimat Tibet fliehen (siehe den Abschnitt 'Tibet-Uprising-Day' am 10.März) und lebt seither in der nordindischen Stadt Dharamsala im Exil
    • 1989 wurde der wohl prominenteste Flüchtling der Welt für seine Bemühungen um eine gewaltlose Lösung der Tibetfrage mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet.
    • im Frühjahr 2011 ist der Dalai Lama von seinen exil-politischen Ämtern zurück­getreten und hat sie an eine von ca. 100.000 im Exil lebenden TibeterInnen demo­kratisch gewählte Führung übergeben.

    Aus Anlaß seines Geburtstages versammeln sich überall auf der Welt die Exil-TibeterInnen mit Tibet-Sympathisanten zum Trungkar (die Geburtstagsfeier für SH. den Dalai Lama),

    • um für ein langes Leben von SH dem Dalai Lama zu beten,
    • um im Rahmen einer Tsog Puja dem Buddha Opfergaben darzubringen
    • und um danach selbst mit Picknicks und Haus-Partys zu feiern.

    Leider können die Menschen innerhalb von Tibet diesen Geburtstag nicht in der gleichen Weise begehen, weil schon die blosse Erwähnung seines Namens oder der Besitz eines Bildes von ihm von der chinesischen Besatzungsmacht strafrechtlich verfolgt wird.

    • Young Dalai Lama

      SH der 14. Dalai Lama mit 4 Jahren

    • Dalai Lama

      SH der 14. Dalai Lama

58. Tibetan Democracy Day (Tag der Demokratie) --> 2. 9. 2018

  • Als SH der Dalai Lama 1956 das erste Mal nach Indien kam, war er tief beeindruckt vom demokratischen Mehrparteien-System. Trotz der enormen Vielfalt in Indien - der vielfältigen Bevölkerung, den unterschiedlichen Religionen und Sprachen - gewährleistet das demokratische Konzept die Einheit dieses großen Landes. Schon kurz nach seiner geglückten Flucht aus Tibet hat SH der Dalai Lama erste Schritte gesetzt:

    • Anfang 1960 bei einer großen Exil-Tibeter-Versammlung in Bodh Gaya hat SH der Dalai Lama die Exil-TibeterInnen dazu aufgefordert, ihre Repräsentanten nach dem Allgemeinem Erwachsenenwahlrecht (universal adult suffrage) zu wählen. Trotz der damals geringen Vorkenntnisse über moderne Demokratie gingen die Exil-TibeterInnen zu den Wahlurnen.
    • am 2.September 1960 leisteten die ersten demokratisch gewählten Parlamentarier Ihren feierlichen Eid vor SH dem Dalai Lama.
      Dieser Tag gilt seither als Gründungstag des Tibetischen Exilparlaments (TPiE: Tibetan Parliament in Exile).
    • am 10.März 1963 stellte SH der Dalai Lama den ersten Entwurf einer demokratischen Verfassung für die zukünftiges freies Tibet vor. In der Folge gab es eine Reihe von politischen Reformen bezüglich der Zusammensetzung der Parlamentarier und der Allgemeinen Tibetischen Bürgerbeteiligung (grass root level participation by the Tibetan public) unter der Führung der Tibetischen Exilregierung (CTA: Central Tibetan Administration).
    • ab 1991 bildeten diese drei Organe die Drei Säulen der Exil-Tibetischen Demokratie (CTA: Central Tibetan Administration):
      • das Tibetische Exilparlament(TPiE) wurde das Gesetzgebende Organ (Legislative Organ)
      • die Oberste Justizkommission (Tibetan Supreme Justice Commission) wurde zum Organ des Justizwesens
      • der Kashag (das Kabinett der Minister (=Kalone)) wurde das Ausführungsorgan (Executive Organ)
    • Weitere Meilensteine in der Exil-Tibetischen-demokratischen Entwicklung:
      • 2001 wurde die erste weltweite Wahl für das Tibetische Exilparlament durchgeführt.
      • 2011 trat SH der Dalai Lama - nach einer von ihm initierten Verfassungsänderung - von seinen politischen Agenden zurück. Seither ist der amtierende Premierminister gleichzeitig auch das Staatsoberhaupt der Exil-TibeterInnen.

    Als Anfang dieser langen demokratischen Entwicklung wird heute der 2.September 1960 gesehen, an dem das Erste Tibetische Exilparlament inauguriert wurde (siehe oben). Im Gedenken daran und um die Entwicklung der Tibetischen Demokratie im Exil weiter zu fördern wird an jedem 2. September der Tibetan Democracy Day begangen.

SHOTON - Joghurt Fest --> 10.-15.9. 2018

  • Das Shoton-Fest beginnt am 30. Tag des sechsten (Mond-)Monats nach dem tibetischen Kalender (meist Ende August/September) und dauert in der Regel fünf Tage.

    Für die Klöster der Gelug-Tradition, der auch SH der Dalai Lama angehört, gibt es vom vierten bis zum sechsten Monat (nach dem tibetischen Kalender) eine Fastenzeit. Die Mönche bleiben während dieser Zeit im Kloster, wo sie Sutras (buddhistische Lehrtexte) rezitieren, und meditative Übungen machen. Wichtig war auch die Achtsamkeit: so musste man sich zB besonders davor hüten, auf ein Lebewesen zu trampeln oder es gar zu töten.

    Erst nach Ende des sechsten Monats durften die Mönche das Kloster wieder verlassen.
    Dazu kam, dass im August in Tibet die Milchproduktion aus klimatischen Gründen ihren Höhepunkt erreichte.
    Um sich den Mönchen gegenüber erkenntlich zu zeigen, bereiten die Einwohner in diesem Monat für die frommen Männer Joghurt-Speisen zu. Zum Ende der Fastenzeit - am 30.Tag des sechsten Monats - strömten diese Menschen in die Klöster, um den Mönchen Joghurt-Speisen zu überreichen und sie um ihren Segen zu bitten (durch das Berühren ihrer Köpfe).
    Auch Theater- und Tanzgruppen kamen ins Kloster, um dort ihre Künste vorzuführen. Im Lauf der Zeit ist das Shoton-Fest zu einem großen Volksfest geworden.

    • Shoton Festival Thangka
    • Das Shoton-Fest begann im Sera-Kloster in der tibetischen Hauptstadt Lhasa mit der Ausstellung des großen Buddhabildes: über hundert Mönche tragen vor Sonnenaufgang behutsam ein riesiges, aus Seide gewobenes - Rollbild (Thangka) mit dem Bildnis Buddhas aus der Großen Kloster-Halle und schreiten damit auf die westliche Seite des Klosters. Während der riesige Thangka langsam von oben nach unten ausgerollt wird, steigen dicke Weihrauchschwaden empor. Dazu erschallen die großen Trompeten und man hört, wie überall Sutras laut rezitiert werden. Die Zuschauer gehen zum großen Thangka und überreichen die Kathags (Glückschals). Nach einer Weile wird der große Thangka wieder eingerollt und in die Grosse Halle zurückgetragen. Nach der Ausstellung des Thangkas gehen die Pilger auf den Hof vor der großen Halle, um sich dort die Opern- und Theateraufführungen anzuschauen.

    Im Norbulingka, dem Sommersitz von SH dem Dalai Lama in der tibetischen Hauptstadt Lhasa, findet am Nachmittag die Hauptveranstaltung statt.
    In der folgenden Woche stehen Opern- und Theateraufführungen im Mittelpunkt der Feier. Während des Shoton-Festivals treffen sich die TibeterInnen mit ihren Verwandten und Freunden im Norbulingka oder in Parkanlagen in Lhasa und machten gemeinsam Picknick. In dieser Zeit sah man überall bunte tibetische Zelte.

    • Lhasa Shoton Festival

      Shoton Festival in Lhasa/Tibet

    • Lhasa Shoton Festival

      Shoton Festival in Lhasa/Tibet